Timeline einer Bürgerwehr

Timeline aktualisiert 2017-03-15

Wollen / dürfen wir menschenfeindliche Auswüchse tolerieren? 

Ein JA kann für uns alle nicht akzeptabel sein. Nicht der Brand in Gerstungen im September 2015 war dafür verantwortlich, dass Gerstungen vermeintlich in die rechte Ecke gestellt wurde. Wer genau hinschaut, kann anhand der eigenen Promotion der Gerstunger Bürgerwehr in vielen Medien erkennen, dass sie selbst für dieses Bild sorgten/sorgen. Sie sind sogar darauf stolz.

In die „rechte Ecke“ wurde Gerstungen in der Öffentlichkeit schon viel früher laviert – DURCH eine vulgär und rechtspopulistisch agierende Bürgerwehr-Führung und ihrer engsten Kumpanen in der Bürgerwehr, aber auch durch ihre „Freunde“ in der Westthüringer NPD und der AfD im Thüringer Landtag. Sie alle manifestierten ihr Tun ganz bewusst unter den öffentlichen Medienanstalten.

War das im Interesse der Verwaltungsgemeinschaft Gerstungen & der Werra-Region?

Was ist zu tun?

Es gibt auch die andere Seite Gerstungens, das Positive, u. a. die breite Vereinsarbeit, die wirtschaftliche Entwicklung in der Region, das positive Ortsbild, das zumeist positive Nebeneinander seit über 20 Jahren mit den Asylbewerbern, den vielen Menschen, die für Mitmenschlichkeit stehen. Dem gegenüber steht die wahre Rolle der Bürgerwehr.

Gerstungen UND Rechts? Die engere Bürgerwehr-Führung verfolgte schon immer die Strategie, die Gegner von Ultranationalismus, die Gegner von Unmenschlichkeit an den Pranger zu stellen. Ihre Wortführer – u. a. ein ehemaliger NPD-Funktionär – verwenden dazu gängige Werkzeuge vulgärer Beschimpfungen, Beleidigungen. Ihre Gegner hätten Gerstungen nach Rechts gestellt – sie unterstellen Andersdenkenden öffentlich und verleumderisch permanent vom Grund auf erlogene Dinge – all das versuchen die Bürgerwehr-Führer zu verkaufen. Dulden wir das? Wenn JA – dann steht Gerstungen endgültig Rechts …

… UND Niemand wundert sich mehr darüber.

Vergessen wir nicht!

Wer Leidtragende öffentlich als Viehzeug beleidigt, wer sich immer wieder in vulgärster Form aufführt als Menschenverachter, Fremdenfeind, Gewaltverherrlicher gegen Menschen, gegen Andersdenkende und Andersgeartete, der erfüllt den Tatbestand der Volksverhetzung, der ist eben – ohne Wenn und Aber – Rassist, Nazi, verachtenswerter verbaler Brandschatzer und Rechtsterrorist.“

Dabei wurde Niemand in die rechte Ecke gestellt – diese Extremisten haben sich selbst dorthin begeben.

Solchen Menschen können, ja müssen wir entgegentreten. Sie zerstören humanistische Werte der Gesellschaft und treten ethisch-moralische Gebote mit den Füßen. Dabei spielt weniger eine Rolle die Form des Entgegentretens, sondern mehr das TUN. NUR – wir tun es NIE mit Gewalt, sondern nur mit der sachlichen Wahrheit! Wir tun es bei Achtung eines Pluralismus unter den Menschen – das ist unsere Stärke. NUR, diese Linie zu Ihnen (den Rechten) werden wir nie überschreiten.

NIE mit ihnen etwas gemeinsam! Gemeinsam aber mit allen pluralistischen, humanistischen Kräften setzen wir uns ein für Lösungen im Sinne einer demokratischen, einer friedlichen Welt, für Respekt und Achtung der Menschenwürde, für wirkungsvolle Migration von Leidtragenden, aber auch die Bekämpfung von Fluchtursachen.

Diese Bürgerwehr gründete sich vor folgendem regionalem Hintergrund, der nicht so recht zu ihrem vorgeblichen Auftreten passt: 

Die Werra-Region in Westthüringen – mitten in Deutschland – kein sozialer Brennpunkt. „Über den Daumen“ hat die Wiedervereinigung der Masse der Menschen hier gut getan. Die Arbeitslosigkeit und Armut ist hier nicht sonderlich hoch im Vergleich zu anderen Gegenden in Deutschland (was nicht heißt, Missstände hier zu vernachlässigen). Starke soziale Probleme, wie sie vor allem große Ballungszentren in Deutschland kennen, sind hier relativ unbekannt. In der Verwaltungsgemeinschaft Gerstungen wurde eine Menge geschaffen. Eigenes Gymnasium, neues Ärztehaus mit vielen Praxen, überall altersgerechtes Wohnen, Bahnhof, Schwimmbad, viele Einkaufsmöglichkeiten, umfangreicher Straßenbau, Möglichkeiten für Freizeit und Erholung, neue Siedlungsgebiete für Eigenheime, neue Gewerbegebiete mit vielen Arbeitgeber – und mehr – das Alles in dem kleinen Dorf (der Kernort mit 3700 Einwohnern). Die Infrastruktur, die Wirtschaft, das Dorfbild, Vereine, usw. Vieles hat sich über die vergangenen 25 Jahre zumindest für das Lebensgefühl der Menschen sehr positiv entwickelt.

Im kleinen Ort Gerstungen gibt es ein Objekt einer ehemaligen Grenzkompanie. In diesem Objekt leben seit über 20 Jahre im Schnitt ca. 120 Asylbewerber, vorwiegend Flüchtlinge aus Kriegsgebieten. Das geschah sehr einvernehmlich mit der Bevölkerung, überwiegend konfliktfrei, wenn auch örtlich getrennt durch die ICE-Bahnlinie Erfurt-Frankfurt – bis zum letzten Jahr.

Da gab es im Ort im Frühjahr 2015 paar (ca. 3-4) Einbrüche, die nachweislich nicht über dem statistischen Trend der Kriminalität lagen. Ein oder zwei wurden aufgeklärt – Täter waren wohl organisierte Kosovo-Albaner. Die Einbrüche waren damals (schon vor ihrer Aufklärung) der Startschuss für eine einmalige Kampagne der dann neu gegründeten Bürgerwehr in Gerstungen (Gründung im Mai 2015).

Kurz darauf (am 10.06.2015) fand eine Bürgerversammlung in Gerstungen statt, an der der der Thüringer Landtagsabgeordnete der CDU Raymond Walk teilnahm. Dieser Herr Walk suchte bereits im Eisenacher Stadtrat im Jahr 2015 als CDU-Fraktionsvorsitzender den Schulterschluss mit der rechtsextremen Eisenacher NPD, um eine Abwahl der Bürgermeisterin (aus der Partei Die Linke) zu erreichen. Ergebnisse dieser Versammlung waren: (1.) Die allgemeine Angst in der Öffentlichkeit vor schweren Delikten war gewachsen. Angst vor wem? (2.) Die in ihren künftigen Wirkungen nicht einschätzbare Bürgerwehr ging gestärkt aus der Versammlung hervor. (3.) Die öffentliche Wahrnehmung, dass staatliche Exekutive ohne Bürgerwehren ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen könne, wurde gestärkt. (4.) Das Bild in der Öffentlichkeit über einen vermeintlichen, aber nicht vorliegenden Zusammenhang von Asylanten und Kriminalität wurde ebenfalls gestärkt. Der Bürgermeister bezog vorerst keine Stellung gegen die Bürgerwehr. Dieser Ausgang war das schlimmste Worst­Case-­Szenario, das eintreten konnte.

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an viele Fakten, die schon vor dem Hausbrand (Gerstungen, September 2015) einen rechtsextremen Charakter des Handelns des Kerns der Gerstunger Bürgerwehr verdeutlichten. Nachfolgend dazu auszugsweise eine nachweisliche Chronik bzw. Dokumentation ihrer TATEN – eine dokumentarische Niederschrift, die bei Bedarf fortgeführt wird – eine …


TIMELINE EINER BÜRGERWEHR  


Mai 2015: Die Facebook-Gruppe „Bürgerwehr Untersuhl, Gerstungen und Umgebung“ gründet sich. Am 31.05.2015 erscheint ihr erster Eintrag in ihrer geschlossenen Facebook-Gruppe (*). Ein in Militärsachen gekleideter Schütze mit Profiarmbrust im Anschlag (gemäß Profilbild (*) – Name liegt vor) gibt gleich im 3. Post die Richtung vor. Federführend als Facebook-Administratoren geben sich Rene Pydde und Andreas Niebling (*). Letzterer war nach einer Recherche von Mobit e.V. (Quelle: Mobit e.V., Träger der Mobilen Beratung in Thüringen für Demokratie & gegen Rechtsextremismus – siehe Beitrag → Im Westen nichts Neues) seit 2001 amtierender NPD-Kreisvorstand. Bis heute steht er in engem Kontakt zu NPD- und AfD-Funktionären im Land Thüringen. Öffentlich berichtet er gelegentlich in der Bürgerwehr-Facebook-Gruppe über diese Kontakte. Sind diese Kontakte seine „Quellen“ für Themen seiner populistischen Propaganda unter Facebook?

31.05.2015: Ein Geschwaderkommandeur von der Luftwaffe meldet sich in der geschlossenen Gerstunger Bürgerwehr-Facebook-Gruppe als neues Mitglied zum Dienst (*). Soll man diesen Eintrag ernst nehmen?

31.05.2015: Der Mitgründer der Gerstunger Bürgerwehr-Facebook-Gruppe vermeldet, dass bereits eine halbe Stunde nach Gründung der Gruppe schon mehr als 350 Mitglieder existieren und bedankt sich (*).

31.05.2015: Ein neues Mitglied der Gruppe bedankt sich darüber, dass es zur Gerstunger Bürgerwehr-Facebook-Gruppe hinzugefügt wurde (*). Die Betonung liegt ggf. auf „wurde“. Kenner der Facebook-Szene wissen: 90% der Mitglieder schauen äußerst selten in ihr Profil – man möchte aber im Facebook-Trend dabei sein. Man legt sich halt proforma ein Profil an, um auch mal schauen zu können. Die Masse wusste am Anfang noch gar nicht, dass sie drin waren in der Bürgerwehr. Die neuen Mitglieder der Bürgerwehr-Gruppe werden in der Regel nicht um ein Einverständnis gefragt. Die mit europäischem Recht nicht vereinbaren Datenschutzbestimmungen von Facebook lassen so ein Vorgehen zu. Erlebten wir eine beispiellose, massenhaften Aufnahme und „Zwangsrekrutierung“ von Gerstunger und aller möglichen Bekannten und wiederum ihrer Facebook-Freunde sowie „Freundes-Freunde“ in dieser Gruppe? Heute argumentieren die Bürgerwehr-Führer mit der vorgeblichen Übermacht der Bürgerwehr, die den „Volkswillen“ darstelle. Die Masse der Bürger würden diesen Volkswillen in Gerstungen teilen. Sie sind arg an der Realität vorbei – solche Behauptungen. Mittlerweile – nach fast einem Jahr – sind viele Gerstunger wieder ausgetreten. Man kann aber Tag für Tag verfolgen, wie sie (um den Zahlenstand von ca. 2700 Mitgliedern zu halten?) ununterbrochen auswärtige „Gesinnungsgenossen“ in die Gerstunger Bürgerwehr-Gruppe reinholen.

31.05.2015: Berichterstattungen folgen noch am gleichen Tag über das Schaffen der „Fachkräfte“ – wie sie die Asylbewerber in einer „Geheimsprache“ beschreiben. Berichte über geheime Zeichen auf Briefkästen, die bis heute Niemand belegen konnte, folgen. In Berka/Werra werden sogar spielende Kinder bei einem Volksfest über diese Zeichen unterrichtet. Asylbewerber werden öffentlich dokumentiert und in das Netz gestellt. Ein Bericht fragt mit Bezug auf gesichtete Asylbewerber: „Könnt ihr die zuordnen? Vom aussehen her… passen die von der größer her in meinen pizzaofen?“ (Fehler übernommen; *). 

Anfang Juni 2015: Die Bürgerwehrführer machen weiter mobil, nutzen u. a. ihren starken Einfluss im Untersuhler Jugend- und Kulturverein, nutzen auch ihre Netzwerke zu anderen Bürgerwehren und rechtsextremen Gruppen und holen in massivster Form in bester „Kettenbrief-Kultur“ innerhalb weniger Tage über 2500 Mitglieder in die geschlossene Gruppe.

01.06.2015: Die Gerstunger Bürgerwehr-Facebook-Gruppe veröffentlicht einen Post mit einer Beschreibung des Zwecks der Facebook-Gruppe (*). Man distanziert sich darin von jeglicher politischer Vereinnahmung. Die folgenden Monate zeigen ein anderes Bild der Motive führender Mitglieder der Gruppe – ganz einfach ein Bild geprägt von Fremdenhass und politischer Orientierung am Rechtsextremismus.

03.06.2015: Gerstungens Bürgerwehr beginnt nächtliche Streifen, um verdächtige Personen mit ausländischem Aussehen festzustellen und in der Facebook-Gruppe diese Personen mit Beschreibungen zu melden. Insgesamt ist festzustellen – die hoch erscheinende Zahl der Facebook-Mitglieder täuscht völlig hinweg über die Anzahl der wirklichen Sympathisanten und im Weiteren der Anzahl der eigentlich aktiv per Streifen und populistisch agierenden Mitglieder. Bei letzteren handelt es sich ca. um einen Kern von schätzungsweise 20 Leuten.

04.06.2015: Erste Posts unterstellen der regionalen Presse Vertuschung bei Kriminalitätsdelikten. Schnell geraten auch Polizei sowie regionale und Landespolitiker quer durch die Parteienlandschaft in ihr Visier per „hart“ formulierter, jegliche Kultur entbehrender Unterstellungen in fäkaler Wortwahl (*). Genau dieser Vorgang setzt sich fort bis zum heutigen Tag wie ein roter Faden. 

10.06.2015: Öffentliche Podiumsdiskussion zur Sicherheit im Werratal auf dem Gerstunger Schlosshof unter Beteiligung der Thüringer Allgemeine (Presse), des Landrats Reinhard Krebs, des Gerstunger Bürgermeisters Werner Hartung, weiterer Bürgermeister der Werraregion, führender Polizei-Vertreter und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Innenausschusses im Landtag, Raymond Walk (CDU). Die Führung der Bürgerwehr Gerstungen ist nicht anwesend.

14.06.2015: Ein Sponsor spendet Gerstungens Bürgerwehr 21 T-Shirts mit der Aufschrift „Bürgerwehr Untersuhl, Gerstungen & Umgebung“. Fortan trägt der Kern der Bürgerwehr-Gruppe diese T-Shirts. Wir erleben jetzt bei den öffentlichen Auftritten der Bürgerwehr Elemente einer Uniformierung.

17.06.2015: Eine Bürgerwehr-„Aktivistin“ meint in der Facebook-Gruppe, es müsse noch viel Aufklärung bei den Bürgern betrieben werden. Viele ältere Leute würden den Hintergrund dieser Bürgerwehr nicht kennen und hätten Angst (*). Diese Bürgerwehr-Sprecherin vergisst gegebenenfalls, dass gerade diese älteren Leute oft selbst als → Vertriebene nach Gerstungen kamen. Sie haben ihr eigenes Schicksal nicht vergessen. Auch in Gerstungen sollte jeder 3. Haushalt rückblickend in seiner Familie einen Fluchthintergrund aus dem damalige Ereignis haben. Und – diese Älteren kennen auch die unheilvollen Schutzstaffeln in der Zeit des Nationalsozialismus.

18.06.2015: Mitglieder der Bürgerwehr lancieren zunehmend in der Facebook-Gruppe Tatsachen zur regionalen Kriminalität so, dass in jedem Fall der Verdacht ohne vorangegangene Verfahren auf Asylbewerber gelenkt wird (*). Der Hass wird gesät durch verstärkte unzulässige Pauschalierungen in der Öffentlichkeit. Wer Asylbewerber pauschal verdammt, der demaskiert sich selbst. Ihr zunehmend geäußerter Hass scheint Dogmen-geleitet. Ihr Handeln bestimmen Vorurteile und Blockaden in ihren Gehirnen, aber nicht ein menschliches Suchen nach Antworten und vor allem kein Betrachten eigener Fehler. Was bei Hassbürgern und ihrer Fremdenfeindlichkeit zunehmend verschwindet, ist zuerst die Moral – genau wie im Krieg. Sich öffentlich pauschal gegen Flüchtlinge zu wenden, wie ab diesem Zeitpunkt die Bürgerwehr-Sprachrohre, würde vergleichsweise bedeuten, gegen Unfallopfer zu demonstrieren, anstatt gegen die Raser.

Es bedeutet, sie verurteilen die Kriegs- und Elendsopfer, anstatt die Kriegstreiber- und profiteure.

21.07.2015: Die in Untersuhl ehrenamtlich betriebene Internet-Zeitung und Chronik zum Ort „UiZ“ (Untersuhler Internet-Zeitung) beschreibt die Situation im Ort im Artikel „Neuer Rechtsextremismus mobilisiert den Mob.“ Gleichzeitig werden in dem Beitrag Zusammenhänge sichtbar zur Rolle von sozialen Medien, Hintergründen des Geschehens um Bürgerwehr(en), wachsendem Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland (Quelle: UiZ-Artikel: → Facebook und die Demokratie).

24.07.2015: Focus Online veröffentlicht (Quelle Focus-Online 24.07.2015, FOCUS-Online-Autorin Amelie Breitenhuber) eine Einschätzung vom GdP-Chef Christ (Gewerkschaft der Polizei) über Bürgerwehren in Thüringen. „Sie laufen Streife, stoppen Autos und jagen Menschen“. Die Mitglieder gehörten teilweise der rechten Szene an. Für Christ hätten die Bürgerwehren einen rechten Beigeschmack. Bei einem Mitglied aus Gerstungen handele es sich zum Beispiel um eine polizeibekannte Person aus dem rechten Spektrum. Einbrüche würden gerne Asylbewerbern oder Flüchtlingen in die Schuhe geschoben. Sie würden ohne Beweise verbal verurteilen – teilweise direkt angeprangert im Internet. Für vermeintliche Täter könne dies schlimme Folgen haben.

Juli 2015: Andreas Niebling brüstet sich, dass die Medien bei ihm „Schlange stehen“. Fernsehsender wie überregionale Zeitung machen sich nacheinander mit seiner Hilfe ein Bild in Gerstungen über die neu gegründete Bürgerwehr und berichten dementsprechend. Die Bürgerwehr-Führer geben den Medien vor, gegen eine steigende Kriminalität einen Selbstschutz zu organisieren. Die Medienvertreter erkennen zumeist sehr wohl, dass Fremdenhass und ultranationalistische Leitlinien die eigentliche Motivation des engen Führungskreises dieser Bürgerwehr bilden. In Gerstungen gibt es seit über 20 Jahren eine Asylbewerberheim. Das Zusammenleben mit den Menschen, die vom Ort abgegrenzt ähnlich einem Ghetto untergebracht sind, gestaltete sich nicht immer konfliktlos, aber bisher ohne grundlegende Schwierigkeiten. Die Bürgerwehr-Führung rückt trotzdem seit dem Frühjahr 2015 den Ort Gerstungen für die öffentliche Wahrnehmung zunehmend in die Rechte Ecke.

24.07.2015: Die Bürgerwehr vermeldet Tuberkulose-Ausbrüche in Asylbewerberheimen in Wenigenlupnitz und Gerstungen (*). Die Meldung wird seitens der Behörden bereits am nächsten Tag widerrufen. Es hat Methode – das schamlose Ausnutzen und Spiel mit der Angst der Menschen – das Streuen von Halbwahrheiten, Gerüchten, Lügen. Der Bürgerwehr-Führer Andreas Niebling schließt seine Meldung mit dem Satz: „Jetzt hört der Spass auf hier!!! Ich mach denen Licht ans Fahrrad, …“ (Schreibfehler übernommen). Zu den Falschmeldung in dieser Form gesellt sich in der Regel verbale, gewaltfördernde Aufwiegelung.

31.07.2015: Die für ihre bundesweiten verbalen Brandschatzungen ihrer besten Protagonisten bekannte AfD bekennt sich wiederholt öffentlich lobend zu den Aktivitäten der Gerstunger Bürgerwehr – u. a. am 31.07.2015 auf ihrer Website (afd-thueringen.de).

07.08.2015: Ein Journal zur Information zur extremen rechten Szene in Thüringen „thueringen-rechtsaussen.net“ berichtet im Artikel „AfD-Landtagsabgeordnete Herold mit Lob für Neonazis und Gewaltphantasien.“ über gegründete Bürgerwehren. Aus ihrer Unterstützung für die selbsternannte „Bürgerwehr“ mache Corinna Herold auch sonst kein Geheimnis im Facebook-Forum dieser Bürgerwehr. Dass die Bürgerwehr von einem extrem Rechten (Andreas Niebling) angeführt wird, der schon vor über 15 Jahren eine zentrale Figur der extrem rechten Szene im Wartburgkreis war, scheine Herold nicht zu stören.

01.08.2015: Quelle Süddeutsche Zeitung (Antonie Rietzschel, 01.08.15, SZ): Im SZ-Artikel „Eine Bürgerwehr macht Angst“ wird über die in Gerstungen formierte Bürgerwehr berichtet. Ihr Bürgerwehr-Führer lieferte ihnen das Futter für ein Bild, was Gerstungen in ein gewisses Licht führt. Die SZ berichtet darüber, wie die Bürgerwehr ihre eigene Kriminalitätsstatistik führe. Das Misstrauen würde vor allem gegen Migranten gerichtet. Viele Verdächtigungen würden aufgestellt und als vermeintliche Tatsachen gestreut. Beiträge wurden mittlerweile wieder gelöscht, nachdem sie in der medialen Berichterstattung aufgetaucht waren. Andreas Niebling, ein Sprecher der Bürgerwehr in Gerstungen hätte bestätigt, dass sie ursprünglich von der Facebook-Seite stammten. Er mache keinen Hehl aus seiner Fremdenfeindlichkeit. Sie suggerieren, dass man das Problem selbst anpacke.

07.08.2015: Die Facebook-Gruppe „Gerstungen gegen Rechts“ wird in das Leben gerufen. Sie verdeutlicht die andere Seite aufrechter Gerstungener, die für Mitmenschlichkeit, Toleranz und Lösungen bei der Migration eintreten. Die Gruppe beschreibt ihr Motto wie folgt: „Wir haben keine Lust auf Hetze gegen Menschen, die aus anderen Ländern kommen und hier Asyl und Hilfe suchen. Asyl ist Menschenrecht! Refugees Welcome!“

17.08.2015: Quelle Thüringer Allgemeine (Klaus Wuggazer, 17.08.16, TA): Im TA-Artikel „Raymond Walk sieht Gerstunger Bürgerwehr mit Skepsis“ wird berichtet, dass der Landtagsabgeordnete Raymond Walk (CDU) die Arbeit der Bürgerwehr in Gerstungen mit Skepsis sieht. Es gäbe Zeichen, dass es der Bürgerwehr nicht um die Sicherheit gehe. Es solle offenbar Stimmung erzeugt werden gegen Flüchtlinge. Mehrfach tauchten auf der Facebookseite der Bürgerwehr fremdenfeindliche Kommentare auf. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sehe dies kritisch. Mitglieder der Gruppe würden bei Kontrollen ihre Kompetenz überschreiten und ins staatliche Gewaltmonopol eingreifen, sagte GdP-Landeschef Rüdiger Christ. Angeblich Verdächtige würden im Netz angeprangert.

20.08.2015: → Offener Brief an die Gemeindeverwaltung. Ein Gerstungener macht öffentlich die Gemeindeverwaltung Gerstungen darauf aufmerksam, dass Gerstungen ein anderes, viel besseres Gesicht hat, als das, was NPD-Chef Wieschke & seine Kompagnons aus dem Führungskreis der Gerstungener Bürgerwehr seit Monaten bundesweiten Medien vermitteln. Der Brief bleibt unbeantwortet. Wird die Bürgerwehr unter der Obhut der Gemeindeverwaltung gesellschaftsfähig?

20.08.2015: Andreas Niebling, der Protagonist der Gerstunger Bürgerwehr, verbreitet in seiner Bürgerwehr-Facebook-Gruppe Lügen über einen Untersuhler, einem erklärten Gegner von Rechtsextremismus und Ausgrenzung (*). Nichts Neues – persönliche Angriffe unter der Gürtellinie gegen Mitglieder des Bündnisses gegen Rechts Werratal e.V. (in Gründung) stehen immer auf der Agenda der Bürgerwehr-Sprecher. Wir sehen in dieser Bürgerwehr-Facebook-Gruppe von ganz bestimmten Leuten ein immer wiederkehrendes Jagdszenario einerseits auf Einheimische, die sich nicht der Bürgerwehr fügen UND andererseits auf Leidtragende von Kriegen und verfehlter Entwicklungspolitik.

UND – man nehme diese Fakten im Kontext mit den Folgen geistiger Brandschatzung! Das ist das eigentlich Schwerwiegende, denn es ist letztlich eine rechtsterroristische Wegbereitung!

29.08.2015: NPD-Demonstration in Eisenach (Thüringen) – mit dabei seitens des NPD-Aufmarsches Mitglieder der Gerstunger Bürgerwehr (Nachweis/Quelle: → Recherche Nord). Die Bürgerwehr-Führung steht in engem Kontakt zum Eisenacher NPD-Chef Patrick Wieschke und dem Landesvorsitzender der NPD in Thüringen Tobias Kammler.

19.09.2015: Auftritt des Gerstunger Gemeinderatsmitglieds Ralf Schüler in der Presse zu einem Gegner der Bürgerwehr. Öffentlich beschuldigt Herr Schüler in einem Zeitungsartikel der Thüringer Zeitungsgruppe (Quelle: Jensen Zlotowicz, TLZ, 19.09.2015, Artikel „Wir sind alle ein bisschen Barufke“) den Untersuhler der Beschädigung des Ansehens des Jugend- und Kulturvereins. Er diffamiert und beleidigt ihn öffentlich mit weiteren Unwahrheiten über seine Person. Fragen entstehen. Das Gemeinderatsmitglied Ralf Schüler – ein Unterstützer und Förderer der Bürgerwehr? Wie sah seine Haltung zu Rechtsextremismus in der Vergangenheit aus? Das Bündnis gegen Rechts Werratal e.V. nimmt sofort eine → Gegendarstellung vor. Der Beschuldigte selbst übermittelt aufgrund der politischen Dimension des Auftritts von Ralf Schüler eine schriftliche Gegendarstellung an alle Gemeinderatsmitglieder (am 18.10.2015). Den Vorwurf vollzog Ralf Schüler ungeachtet der Beobachtungen vieler weiterer Beteiligter sowie Medien und des Eigenverschuldens einiger Mitglieder des Jugend- und Kulturvereins. Genau die Medien, die zuvor beim Bürgerwehr-Führer Andreas Niebling Schlange standen, beobachteten sehr wohl selbst das Vorgefallene zur Untersuhler Kirmes und berichteten zeitnah bundesweit darüber. Die Panorama-Sendung des NDR berichtete im Nachtrag vor einigen Tagen dazu. In der Berichterstattung von Panorama zu Gerstungen ginge es damals weniger um das Motiv des Brandstifters als vielmehr um den Umgang einiger Gerstunger mit einem Brand im Ort wenige Tage zuvor. Von Betroffenheit war bei Jenen wenig zu spüren. An einem Wagen bei einem Kirmesumzug hieß es spöttisch auf einem Plakat: „Abgebrannt ist uns’re Hütte. Gebt uns Asyl, bitte, bitte! Aber kein Container, nein. Kann es vielleicht ein Schlösschen sein?“ Das im Nachgang publizierte Schneewitchen-Märchen zu diesem Bild konnte man glauben oder auch nicht – entscheidend war das zuerst in der Öffentlichkeit Wahrgenommene. Wenig sensibel zeigte sich damals auch die Dorfjugend, als sie für das Kirmes-Gruppenfoto posierte: „Und jetzt alle mal den rechten Arm hoch“, sprach ihr Anführer. In Interviews sahen damals einige Gerstunger eine gewisse Berechtigung für den Brandanschlag. Die Frage, woher diese geäußerte innere Gesinnung einiger Mitglieder der Vereinsjugend kommt, birgt aber im Hintergrund plausible Antworten, über die Niemand sprechen möchte. Ob Herr Schüler als langjähriger Vereinsvorsitzender oder die Bürgerwehr-Führung vielleicht Antworten haben?

11.10.2015: Eine bunte Gruppe sich zufällig getroffener Bürger aus Gerstungen radelt bei bestem Wetter eine Tour durch das Werratal. Sie zeigten klare Kante gegen den kalten, herbstlichen Wind. Die Fahrradfreunde erlebten eine sonnige und BUNTE Herbstlandschaft um das Werratal. Sie verbreiteten auch selbst BUNTE sowie ganz einfach menschliche und weltoffene Botschaft im Werratal – mitten in einer Zeit maßloser Fremdenfeindlichkeit und bundesweiter rechtsterroristischer Anschläge. Zur Kirmes in Herda bot sich ihnen ein ganz besonderes Bild – die Schule Herda gekleidet in BUNTEN Fahnen. Was für ein Zeichen für alle Kirmesbesucher. Was für ein Kontrast zu Gerstungen. Zurück auf dem Markt in Gerstungen wurde die Radlergruppe von mehreren PKW’s mit führenden Bürgerwehr-Mitgliedern tangiert und verbal lautstark als „Anti-Faschos“ betitelt.

14.10.2015: In der Facebook-Gruppe der Bürgerwehr diffamiert einer ihrer Führer völlig haltlos das Gemeinderats- und Kreistagsmitglied Harry Weghenkel in schwerster Form (*). Wurde hier öffentlicher Rufmord betrieben? Genauso werden seit Monaten auch andere Gerstunger, die gegen Rechts klar Position beziehen, von ihnen behandelt, beleidigt, verleumdet. Wer mit dem rechten Mob nicht mitzieht, der steht im Abseits – und in ihrem Fadenkreuz. Wer den Mund aufmacht, wird irgendwie bedroht. Bleibt nur die Kapitulation?

Marschieren bald Schutzstaffeln ohne Legitimation im Gleichschritt in Stiefeln – mit Knüppel und Pistole am Koppel?

14.10.2015: NPD-Aufmarsch in Gerstungen im Ortsteil Untersuhl vor der Spielothek „Bingo“. Gerstungen in braunen Farben. Der Landesvorsitzender der NPD in Thüringen Tobias Kammler instrumentaliserte eine bis heute unaufgeklärte Auseinandersetzung mit Asylbewerbern im “Bingo” in Untersuhl und rief zu einer fremdenfeindlichen Aktion in Gerstungen im Ortsteil Untersuhl auf. Die gute Nachricht: Der Bürgermeister befand sich zu Beginn des NPD-Aufmarsches auf Seiten der Gegen-Demonstration gegen Rechts – jedenfalls steht er da. Die schlechte Nachricht: Die Bürgerwehr-Führung Gerstungens zeigt Flagge für Nazis – der NPD – wie von der Gründung an geplant. Sind sie der neue „Saalschutz“ der vulgären Nationalisten der rechtsradikalen Szene der Werra-Region? Unter ihnen Andreas Niebling, bekennender Bürgerwehr-Protagonist und ehemaliger Eisenacher NPD-Chef. Polizisten stehen im Kräfteverhältnis von 1:1 bei den Gegendemonstranten(!). Verfassungsfeindliche und neu-rechte Parolen ertönen in den Reden der NPD-Führer. Ein gesellschaftlich sehr anerkanntes und humanistisch geprägtes Gemeinderatsmitglied – Harry Weghenkel – wird über einen langen Redezeitraum vom Thüringer NPD-Chef Tobias Kammler in schlimmster Rufmord-Manier öffentlich gebrandmarkt. Immer wieder und immer wieder. Hat er seine Weisheiten von der Gerstunger Bürgerwehr-Führung?

14.10.2015: NPD-Aufmarsch in Gerstungen – die geschlossene Facebook-Gruppe der Gerstunger Bürgerwehr bericht stolz über das Ereignis. Ein Wortführer ist gar enttäuscht, dass die Bürgerwehr statt der NPD sich nicht die AfD an Bord geholt hat. Der Bürgerwehr-Führer hebt hervor, dass die NPD in Gerstungen war, um die Leute aufzuklären. Weiterhin hat er erneut eine üble, schwerste Unterstellung ohne jegliche Grundlagen unter die Leute zu bringen. Er behauptet mal einfach so, dass ein Gemeinderatsmitglied ein IM der Stasi gewesen wäre (*).

17.10.2015: In Gerstungen gründet sich das Bündnis gegen Rechts Werratal e.V. (in Gründung). Gründungsmitglieder widerspiegeln verschiedenste Lebensweisen und politische Anschauungen – vom Punk bis zum schreibenden Lyriker und Lehrer aus der gesellschaftlichen Mitte. Eins eint sie alle – die Sicht, in der Werraregion etwas tun zu müssen gegen Rechts, Ausgrenzung Menschenfeindlichkeit und Fremdenhass. Als Vorsitzenden wählt der Verein Maik Klotzbach, auch Vorstand der Jusos Eisenach im Wartburgkreis, des Jugendverbandes der SPD. Die Mitglieder des Vereins geraten in diversen Facebook-Posts sofort in das Visier von Bürgerwehr-Mitgliedern. In der Folgezeit unterliegen sie im Bürgerwehr-Forum immer wieder vulgären, beleidigenden Beschimpfungen. Insbesondere der Vereinsmitbegründer Harry Weghenkel (Gemeinderatsmitglied) wird Zielscheibe schwerster Unterstellungen. Diese werden von rechtsextremen politischen Parteien Thüringens in der Folge aufgenommen zur öffentlichen Verunglimpfung seiner Person.

18.10.2015: Der Bürgerwehr-Führer kommentiert in der Bürgerwehr-Gruppe unter Facebook die Gründungsversammlung des Bündnis gegen Rechts Werratal e.V.: „Ich spar mir jetzt mal die Worte über den Karnevalsverein.“

13.11.2015: Quelle Thüringer Allgemeine (Frank Schauka, 13.11.15, TA): Die Thüringer Allgemeine berichtet: „Eisenacher Landtagsabgeordneter warnt vor Neonazis in Bürgerwehren“. Im Artikel wird berichtet, dass für Gerstungens parteilosen Bürgermeister Werner Hartung die Auflösung der Bürgerwehr kein großer Verlust wäre. Zu mehr Sicherheit in der Stadt hätte sie seines Wissens nicht beigetragen. Aktiv sei die Gruppierung vor allem beim Verbreiten abstruser, oft ausländerfeindlicher Gerüchte im Internet. Die Ziele der Bürgerwehr seien seiner Einschätzung nach eindeutig extrem rechts. Das Besondere in dem Artikel: Erstmals positioniert sich Gerstungens Bürgermeister öffentlich gegen die von Rechtsextremen bestimmte Bürgerwehr.

05.12.2015: Quelle Thüringer Allgemeine (Frank Schauka, 05.12.15, TA): „In Gerstungen im Wartburgkreis agiert eine Bürgerwehr, größer als in Pfaffschwende – die derzeit inaktiv ist – und straffer geleitet. Man trägt uniforme Kleidung: ein schwarzes Shirt mit ‚Bürgerwehr‘-Aufdruck.‘ … Es gibt eine Nachtaufnahme auf der Internetseite der rechtsextremen Nationalen Jugend ‚NJ Eisenach-Wartburgkreis‘. Das Foto mit der Überschrift ‚Aktiv in Gerstungen, aktiv gegen Asylbetrüger‘ zeigt vier Personen schemenhaft. ‚Dies könnte auf eine Beteiligung von rechtsextremen NJ-Mitgliedern an Streifengängen der sogenannten Bürgerwehr hindeuten‘, erklärt der CDU-Politiker aus Eisenach.“ Es erhärtet sich folgende Frage: Wie tief sind die Verflechtungen zu anderen rechtsextremen oder rechtsradikal agierenden Gruppierungen, wie der rechtsextremen Nationalen Jugend „NJ Eisenach-Wartburgkreis“?

12.12.2015: Quelle MDR Thüringen: „Ermittlungen gegen Bürgerwehr-Mitglieder“, berichtet das Journal. Gegen Mitglieder der „Bürgerwehr Gerstungen, Untersuhl und Umgebung“ würde wegen Volksverhetzung ermittelt. Das gehe aus der Antwort von Thüringens Innenminister Holger Poppenhäger auf eine Anfrage des Innenexperten der CDU-Landtagsfraktion, Raymond Walk, hervor. Demnach seien mehrere Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in der Facebook-Gruppe der Bürgerwehr anhängig. Laut Poppenhäger würde außerdem ein Begründer der Gruppe früher dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet.

13.01.2016: Quelle Thüringer Allgemeine (13.01.2016, dpa, 13.01.16, TA): Nach Erkenntnissen von Stephan J. Kramer, Thüringens neuer Verfassungsschutzchef, seien in der Bürgerwehr in Gerstungen und Umgebung (Wartburgkreis) Rechtsextreme aktiv. Die Administratoren der Facebook-Gruppe hätten zumindest enge Kontakte in die örtliche rechtsextremistische Szene, sagte der Präsident des Verfassungsschutzes, Stephan J. Kramer. Vieles von dem, was wahrnehmbar sei, spiele sich virtuell, also im Internet ab. Die TA schreibt: „Allerdings sei dies kein Grund zur Entwarnung, da sich – insbesondere mit einer stärkeren Wahrnehmung der Flüchtlingskrise – gerade im Internet eine Propaganda verbreitet, die kaum noch etwas mit freier Meinungsäußerung zu tun hat, sondern regelrecht zu Hass und mitunter auch Gewalt aufstachelt. Bereits in offen einsehbaren Bereichen der sozialen Medien sei eine starke Enthemmung festzustellen. Dort werde auch unter Klarnamen gehetzt, erklärte Kramer.“

31.01.2016: Ein Protagonist der Gerstunger Bürgerwehr (Name liegt vor) teilt zustimmend in seinem Profil einen Beitrag der Gewalt- und Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck.

04.02.2016: Der Gerstunger Bürgerwehrführer Andreas Niebling vermeldet in der Facebook-Gruppe der Bürgerwehr mit Stolz (*): „Jetzt kennt man uns auch in England.“ Er organisierte auch dieses erneute mediale Ereignis in Gerstungen, genauso wie er auch in den Monaten zuvor eine mediale Institution nach der Anderen nach Gerstungen holte, um Fremdenfeindlichkeit öffentlich zu demonstrieren. Jawohl – wer des Englisch mächtig ist, erkannte in dem Video der britischen Sendung ITV News, dass nun auch England ein Bild über ein „braun angehauchtes“ Gerstungen hat – „der Bürgerwehr sei Dank“.

09.02.2016: In der Bürgerwehr-Facebook-Gruppe erklärt ein Wortführer: „Betritt irgend ein korupptes Schwein mein Grundstück hat er es erlebt! Anders geht es nicht mehr!!!“ (Schreibfehler übernommen, *). Er bezieht sich auf Vertreter öffentlicher Behörden. Wir erleben in dieser Gruppe eine immer wiederkehrende gewaltverherrlichende, radikalisierende Wortwahl.

10.02.2016: Netz-gegen-Nazis.de, Partner von ZEIT Online (ePaper) und des Internetportal der Amadeu Antonio Stiftung (Initiative für Zivilgesellschaft und demokratische Strukturen) veröffentlicht Rechercheergebnisse in einem Monitoring über Facebook-Bürgerwehren. Wir sehen maßgeblich Fakten, die einen Alltag – und nicht Einzelerscheinungen – rechtsextrem orientierter Bürgerwehr-Protagonisten aufzeigen. Die Bürgerwehr Gerstungen spielt im Monitoring eine düstere Rolle. Das Geschehen ist gekennzeichnet von Gemeingefährlichkeit, Gewaltverherrlichung, Gewaltphantasien, Shop-Informationen zu Waffen und waffenähnlichen Gegenständen, ultranationalistischen Parolen, an nationalsozialistischen Darstellungen angelehnten Symbolen, eifrigen Pauschalierungen gegen Asylbewerbern, zunehmender Vernetzung mit rechtsradikalen Gangs und Netzwerken, Wunschdenken in den Grenzen des deutschen Reiches von 1937, sich selbst als Nicht-Nazi’s klassifizierenden sowie unpolitisch wähnenden und besonders besorgten Bürgern, Gewalt-und-Law-and-Order-affinen Durchschnittsdenkern, Neonazisympathisanten sowie organisierten Nazis. Das Monitoring ist nachlesbar unter → Monitoring auf Patrouille bei den Facebook-Bürgerwehren.

12.02.2016: Die Bürgerwehr distanziert sich von jeder politischen Vereinnahmung? So steht es als Behauptung in der Gründungserklärung der Gerstunger Bürgerwehr. In der täglichen Praxis ihrer Diskussionen sieht es anders aus. Wir erleben immer wieder klare Stellungnahmen für ganz gewisse Parteien der Neu-Rechten und klare Beleidigungen gegen politische Gegner. Da wird also doch politische Positionierung betrieben. Unter anderem droht ihr Bürgerwehrführer in einem Facebook-Post (*): „Herr Ramelow genießen sie ihre Amtszeit die sie haben, ich verspreche ihnen jetzt schon, das es ihre letzte sein wird!!!!!“ (Schreibfehler übernommen). Und – er setzt fort: „Sollten die versuchen dreckige Spielchen zu spielen vor den Wahlen, werde ich Sachen enthüllen in sämtlichen Meiden über diese Regierung! Das wird ein Fest!!!“ Er schließt mit der Bemerkung, dass es nur eine „Alternative“ gäbe. Wer vereinnahmt hier wen?

Wir erleben regelmäßig Bürgerwehrführer als Sprachrohr rechtsextremistischer Leitbilder.

03.03.2016: Ein Facebook-Administrator der Gerstunger Bürgerwehr schreibt bezüglich der Situation des regionalen Arbeitgebers K+S in der Facebook-Gruppe: „Na klar, wenn dann alle Bergleute zu Hause sind inclusive aller Sub Unternehmen und ihre Familien von Arbeitslosengeld und später von Hartz4 leben, … haben wir genug Platz für ca. 100000 Fachkräfte unter Tage“ (*). Redet er vom „Schneewitchen-Märchen“ oder was für eine Idee will er da verachtungsvoll reaktivieren?

31.03.2016: Entgleiste Sprachrohre der Bürgerwehr Gerstungens – früh morgens eine ihrer Aussagen: „Ratten, Linksverseuchtes Viehzeug“ (*). Sie nehmen nicht nur Linke auf das Korn – Jeder, der nicht mitspielt, ist dran. Es ist nur ein Beispiel dieser Kategorie – von so vielen. Wessen geistigen Kinder erleben wir? Es sind keine „Ausrutscher“ – sie gebrauchen Tag für Tag diese Vokabeln fern jeder zivilisierter Kommunikation, fern des Vermögens von Menschen – einfach nur wie Tiere geleitet. Sie legen im Geiste Fundamente maßloser Gewalt. Facebook als Kloake für geistloses Geschwätz – für jeden geistig Entgleisten? Ist Facebook ein Ort geduldeter Menschenverachtung? Sie (der Kern der Bürgerwehr) seien Patrioten, aber keine Nazis? Wer kann das noch glauben?

April 2016: Zehn Monate nach der ersten bundesweiten Gründungswelle von Bürgerwehren ist ihr anfänglich sehr offenes Agieren unter Facebook mittels Hassbotschaften und Elementen der Volksverhetzung einem „moderateren“ Ton mit „Zwischen-den-Zeilen“-Botschaften gewichen. So ist es auch in Gerstungen. Sie wissen, dass sie unter Beobachtung stehen. Sie teilen zunehmend ihre „Ressourcen“ in kleineren Untergruppen und anderen diversen Social Networks und Messengers. Grundsätzlich ist zu erkennen, dass sich Bürgerwehren zunehmend bundesweit vernetzen – auch in Abstimmung und in Organisation mit diversen rechtsextremistischen Gruppen/Parteien (NPD, AfD, etc.). Teilweise übernehmen Bürgerwehren für rechtsextreme Parteien bei deren öffentlichen Auftritten oder internen Versammlungen Schutzfunktionen. Der Tarnmantel der Bürgerwehr wird weiter aufrechterhalten. Man orientiert sich auch an ultranationalistisch geprägten Bürgerwehren andernorts, u. a. im Ausland.

19.04.2016: Herr Andreas Niebling teilt diesen Beitrag in der Facebook-Gruppe der Bürgerwehr. Wäre nichts dagegen einzuwenden. Die Kehrseite – A. Niebling und Kumpane beleidigen öffentlich den Autor dieses Beitrags mit weiteren Unterstellungen und Unwahrheiten (*). Ihr „Ameisenhaufen“ reagiert aufgewühlt. Wo sachliche Argumente fehlen, gehen sie unter die Gürtellinie – ein Merkmal des neu-rechten Populismus.

01.05.2016: Unter der Facebook-Gruppe der Bürgerwehr schreibt eine Bürgerwehr-Protagonistin „Richtig so Abflug du Schmiergestalt!!“ (*). Politische Streitkultur neuer Prägung? Sie meint den Bundesjustizminister Heiko Maas und bezieht sich auf ein geteiltes Video, in dem sich das Bundestagsmitglied in Zwickau einem rechtsextremen „Bürgerprotest“ ausgesetzt sieht. Die politische Richtung der Macher des „protestierenden“ Mob wird in dem Video und unter den Posts des Autors verdeutlicht. Sie kommt aus der Ecke der Kräfte eines Neonationalsozialimus. Das politische „Statement“ in der Facebook-Gruppe zu dem Vorfall in Zwickau geschieht entgegen dem eigenen Gruppenstatut, in dem eine Distanzierung von jeglicher politischer Vereinnahmung deklariert wird. Diese Deklaration erscheint wie so oft nur als Schein zur Verschleierung des wirklichen Gruppenzwecks.

01. bis 04.06.2016: Ein Jahr nach der Gründung der Bürgerwehr Gerstungen. Die Gerstunger Bürgerwehr hat wieder ein Woche in Hochform hinter sich. Ihr rechter Führer ganz im Stile seiner Vorbilder Kammler und Gauland. Er lässt in verschiedenen Medien Nichts unversucht, in Gerstungen den braunen Geist zu legen und Hass zu schüren. Hier einige Auszüge einer erneuten, „glanzvollen“ Bürgerwehr-Woche – allein aus ihrem Medium Facebook-Gruppe (Quelle: Facebook-Gruppe „Bürgerwehr Untersuhl, Gerstungen und Umgebung“): Am 1. Juni wird die Verurteilung eines Sexualstraftäters zum Anlass genommen, eine gewisse Menschengruppe pauschal als Gesindel zu titulieren und symbolisch mit einer Pistole zu bedrohen. Geistig Enthemmte gebrauchen dabei ihre übliches Fäkal-Vokabular. Am 3. Juni „feiern sie ab“, weil sich in Rotenburg Asylbewerber pügelten. Zum Fremdschämen – wenn es denn alle Gerstungener wären, die da Knüppel verteilen wollen. Ebenfalls am 3. Juni stellen sie ihre rassistischen „Helden“ aus dem sächsischen Arnsdorf in den Fokus, die einen kranken, geistig verwirrten irakischen Flüchtling an einen Baum fesselten. Es gleicht einem Aufruf, auch in Gerstungen so zu handeln. Und gleich nochmal am 3. Juni wird ein „Grabscher“ aus Bad Salzungen zum Anlass genommen, alle in Deutschland Schutzsuchenden pauschal als Neandertaler zu beschimpfen, frei nach Höckes neu-rechter Rassentheorie. Was sie da von sich geben, ist nichts Anderes, als ein Gewaltaufruf – es ist Rassismus pur. Am 4. Juni nimmt der Bürgerwehr-Führer einen aufgeklärten Brand in einem Flüchtlingsheim zum Anlass, um zu suggerieren, dass die ca. 1000 Angriffe auf Flüchtlingsheime im Jahr 2015 überwiegend durch Flüchtlinge selbst gelegt wurden.

Anfang Juli 2016: (Quelle vorliegender Screenshot): Konzert mit Regner. Auf Wieschkes nichtöffentlicher Facebook-Pinnwand hinterlies der Bürgerwehr-Chef Andreas Niebling (Ex-NPD-Chef in Eisenach) bereits vor Wochen einen Post: „Patrick wegen Karten schreiben wir woanders, ich check mal ab wer alles mit will“ (Screenshot liegt vor). Er selbst kündigte am 27. März 2016 bereits seine Teilnahme an dem Konzert mit dem ehemaligen Landser-Sänger an. Michael Regener, der unter dem Pseudonym „Lunikoff“ auftritt, ist einer der bekanntesten Interpreten der neonazistischen Rechtsrock-Szene. Regener war Sänger von „Landser“. Die Gruppe war fest in der militanten Neonazi-Szene verwurzelt und baute bewusst das Image einer Untergrundband auf, die rassistische und offen nationalsozialistische Texte mit Stimmungsmusik koppelte. Folgende Verurteilungen bezogen sich u.a. auf Volksverhetzungen, dem Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen, öffentlichem Auffordern zu Straftaten, Billigung von Straftaten.

ANie_WiesAnkündigung zum Rechtsrock-Konzert

2016-07-27 (*): Ein Anführer der Gerstunger Bürgerwehr (Eisenachs Ex-NPD-Chef Andreas Niebling) handelt als Polizeiberichterstatter. Er berichtet über eine massive Aktion zur Vernichtung von  Feuerlöschern durch „unsere Fachkräfte“ im Asylbewerberheim. Wie immer stehen Leser vor der Frage – seine Informationen abzukaufen, zu glauben oder zu canceln. Oft genug schon wurden von ihm Unwahrheiten einfach mal in die Welt gesetzt! Letztlich handelt es sich kurz nach der Tat erstmal um Insider-Wissen der Ermittlungskräfte. Niebling stellt in dem Zusammenhang weitere Vorwürfe gegen eine „Fachkraft“ in den Raum. Er schafft es – wie so oft mit seinem angeblichen oder tatsächlichen Insider-Informationen – eine Hetzkampagne von Mitliedern der Facebook-Gruppe dieser Bürgerwehr in Gang zu setzen bzw. erneute Fremdenfeindlichkeit durch unbewiesene Fakten und unzulässige Pauschalierungen in der Öffentlichkeit zu forcieren. WER sind seine illegalen Quellen? Die Zukunft wird es zeigen.

2016-07-27 (*): Auf den zuvor genannten Sachverhalt hin hat ein Mitglied der Gerstunger Bürgerwehr ein Problem mit „Kanken“. Wörtlich schreibt er: „… es wird immer schlimmer mit den Kanken die müssen weg ab ins Flugzeug und abwerfen da kann mann nur kotzen einfach abknallen und weg mit den wixern … dieses Drecksback …“ (Schreibfehler übernommen). Sehen wir Volksverhetzung – im Klartext – einen Aufruf zum Massenmord? Im Übrigen – ganz bestimmte Mitglieder der Bürgerwehr treten immer wieder massiv mit verbalen, väkalen, ausgrenzenden, rassistischen, drohenden Attacken und Aufrufen in Erscheinung. So auch in diesem Fall der Herr PT (Kürzel erfunden).

2016-07-27 (*): Ein Mitglied der Gerstunger Bürgerwehr fragt an, was heute im Netto los war. Ein weiteres Mitglied antwortet: „Asylante wollte sich im Netto anzünden.“ Darauf fordert Jemand auf, ein Spendenkonto zu eröffnen – er wäre mit 2 Liter dabei – worauf wiederum Jemand auffordert, im Netto Bescheid zu geben: „… draußen ist genug Platz auch für mehr!“ Wie nennt man das jetzt – Aufruf zum Amok oder Aufruf zum Pogrom?

2016-09-12: Am Kirmesmontag im Festzelt – in aller Öffentlichkeit beleidigte der Bürgerwehr-Führer Andreas Niebling den Autor dieses Beitrags und ebenfalls mit ihm anwesende befreundete Familien. Er verleumdet, bedroht gegen Leib und Leben, dass sich die Bretter des Zeltfussbodens bogen – vor den Augend er Öffentlichkeit. Und – abends unter Facebook machte er gleich weiter(*). Auffällig – er verschleierte nicht mehr seine Absichten – er brachte sie wie eine Furie zum Ausdruck. Für diese Schmutzarbeit hatte er auch Bürgerwehr-„Kameraden“ eingespannt. Sie dokumentierten die „Zielpersonen“ mit ihren Kameras in offensichtlicher und provokanter Art. Einschüchterung PUR – nicht nur an diesem Abend gegenüber andersdenkenden Gerstungenern. Die Zelt-Security ließ sie gewähren. Der Gerstungener Führer der Neu-Rechten hat offensichtlich ein Problem mit den Gegnern von Intoleranz. Es sind z.B. das Gemeinderatsmitglied, der in der politischen Mitte steht. Es sind das SPD-Mitglied, der dem Verein gegen Rechts vorsitzt. Es sind der von Parteien völlig Unabhängige, wie ich. Es ist der Pfarrer, der über Menschlichkeit und Werte spricht. Es sind Freunde und Andere … Es sind Weltoffene. 

Es geraten Alle in’s Visier, die nicht „mitziehen“.

2016-09-13: Ein Facebook-Freund vom Bürgerwehrführer Andreas Niebling (oder besser sein Lakai) meldet sich per Facebook-Messenger beim Autor dieses Beitrags. Es ist eine Reaktion auf Facebook-Hassmeldungen am Vorabend des Andreas Niebling (*). Motorradklub „Stahlpakt“ prangt auf seinem Facebook-Profil. Er sprach von Planungen, die gegen den Autor dieses Artikels liefen. Nicht der erste Versuch dieser unheimlichen Art – er ist auch nur so ein Drohender. Dieser Lakai ist einer dieser Sorte von Rassisten, die sich relativ offen zur Reaktivierung von Buchenwald bekennen. Er hat sein wahres Gesicht gezeigt. Es hat ehrlose, vulgär-nationalistische, menschenfeindliche Facetten.

2016-11-01 (*): Durch die Facebook-Gruppe der Bürgerwehr Gerstungen erfolgen regelmäßig neue Posts – wie schon von Beginn an. Auffällig: Es sind fast ausnahmslos nur Posts, in denen man irgendwie – sei es nur durch Kleinigkeiten – auf Ausländer als mögliche Täter verweisen kann. Am 01.11.2016 war es ein möglicher Fahrraddieb mit dunkler Hautfarbe. Am 24.10.2016 waren es mal wieder Gaunerzeichen in Obersuhl. Die Herkunft von Gaunerzinken hat die Facebook-Gruppe schon lange klargestellt. Kinder wurden dazu geschult. Am 16.10.2016 wurde über gefährliche Körperverletzung aus Eschwege berichtet. Das Bürgerwehrportal mausert sich zum überregionalen Vorkämpfer für die deutsche Sache. Täter waren auch hier schon ausgemacht – „dreckigen Schweine“, die immer mehr reingeholt werden. „Merkel ihre bude müssten sie ab Fackeln … noch nicht mal da lernt die blöde sau daraus.“ Am 15.10.2016 – Sexualdelikte auf dem Lullusfest. Gab es die früher nicht? Aus der Hautfarbe wird wieder sofort auf die Täter geschlossen. Am 14.10.2016 hatte man in Rienau und Horschlitt Ausländer bzw. Bettler gesichtet. Am 26.09.2016 hatte höchstpersönlich eine Herr Andreas Niebling – öffentlicher Protagonist der Bürgerwehr Gerstungen – wieder News über die „Fachkräfte“. Am 22.09.21016 hatte er ebenfalls zu berichten, über einen jungen Mann, der im Wohnheim ausrastet und einen Feuerlöscher leert. Enden wir hier mit dieser Aufreihung – eines „Spiegels der Kriminalität“? Die Deutschen in der Werra-Region scheinen aufatmen zu können – dank Bürgerwehr? Scheinbar gibt es keine anderen Kriminalfälle und ausrastenden Jugendlichen.

Rassismus in Aktion – für Alles werden Nicht-Deutsche verantwortlich gemacht.

2017-03-01 (*): Die Brandstiftung vom 11.09.2015 in einem Gerstunger Haus ist immer noch nicht aufgeklärt. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist weiterhin nicht ausgeräumt. Dass es Brandstiftung war, stellte der Richter in einem Verfahren am 27. Februar 2017 am Eisenacher Gericht fest. In dem Verfahren wurde im abschließenden Urteil eine bis dahin verdächtige Person aus der Familie der Hauseigentümerin eindeutig für unschuldig befunden. Der Bürgerwehr Gerstungen passte dieses Ergebnis nicht in ihre bisherige, umfassende Vorverurteilung eines Verdächtigen. Ein Bürgerwehr-„Freund“ stellte nach dem Gerichtsurteil in der Bürgerwehr-Facebook-Gruppe wiederum verleumderisch fest: „Da hat ja der Brandstifter Glück gehabt.“ Gleich auf dem Fuß schließt er daraus politisch motivierend auf nötige alternative Parteien. Der rechtsextreme Bürgerwehrführer bläst dem Herrn folgend in seinem Kommentar in das gleiche Horn. An gleicher Stelle gibt es von einem Gruppenmitglied eine öffentliche üble Nachrede an das Bündnis gegen Rechts aus dem Werratal. Er äußerte, dass das – seines Erachtens nach – „zweifelhafte Bündnis um diesen Kranken herum“ ein erstklassiges Motiv haben würde, um zu zündeln, „um den Gegner zu diffamieren“ (Screenshots liegen ebenfalls vor).

14.03.2017: In Berka/Werra findet ein öffentlicher Bürgerdialog der rechtsextremen Partei AfD statt – mit Bürgerwehr-Engagement. Wahrer Diskurs und Dialog wurde schon im Vorfeld durch die Veranstalter unterbunden. Fast alle dem Anschein nach kritischen Bürger (ca. 50 % der Teilnehmer) wurden des Saals verwiesen. Im Ergebnis ist zu sehen, dass die AfD als parlamentarischer Arm der extremen Rechte Thüringens in Erscheinung tritt. Die große Mehrheit der Menschen in der Werra-Region lehnt die Verkünder alter und gefährlicher Ideen des Nationalsozialismus ab. Unter den AfD-Sympathisanten im Saal sind Mitglieder der Bürgerwehr Gerstungen, die in der Vergangenheit fremdenfeindlich in Erscheinung traten. Als Saalschutz am Haupteingang zur Veranstaltung fungiert der Gerstunger Bürgerwehrführer Andreas Niebling, der rechtsextreme Aktivitäten nach seiner Eisenacher Zeit als NPD-Chef gelegentlich abgestritten hatte. Der Einsatz als Saalschutz glich einer Offenbarung des Bürgerwehrchefs vor aller Augen. U.a. sorgte er ganz persönlich dafür, dass ein Gerstunger Gemeinderatsmitglied nicht eingelassen wurde. Mit begleitenden persönlichen, öffentlichen Beleidigungen versperrte er auch einem älteren Untersuhler Bürger den Einlass.

Fassen wir zusammen.

Sie organisierten sich im Frühjahr 2015, in einen Ort mitten in Deutschland, der wahrlich viel Positives an Lebensqualität zu bieten hat, was andernorts nicht selbstverständlich ist. War es politischer, rechtsextremistischer und geplanter Vorsatz? Sie haben Spuren gelegt, denen Chronisten folgen.

Es sind Spuren einer politischen Instrumentalisierung für rechtes Gedankengut und völkische Ziele …

… sowie Spuren ihrer Netzwerke, ihrer Hassbotschaften, ihrer ständigen Verleumdungen Andersdenkender, ihrer rechtsradikalen Entmenschlichung und Gehirnlosigkeit, ihrer neu-rechten, verbalen Brandschatzungen, die zwangsläufig zu Terror anzetteln – gegen Jeden und Alles, was nicht mitzieht bzw. gegen sie ist oder sowieso auf ihrer Liste steht, wie den Leidtragenden von Kriegen und Terror.

Mit wem oder was vereinbart sich ihr Wirken? Mit der Entwicklung von Gerstungen? Mit neuen basis-demokratischen Werten einer gerechten Welt für Alle? Mit Ethik und Moral aufrechter  Menschen? Mit humanistischen Glaubenssätzen von Würdenträgern und Religionen? Mit der Zukunft aller Kinder – egal welcher Herkunft – einer Zukunft in einer Kultur des Teilens aller Ressourcen?


Hinweise zur Chronik:

Diese Chronik erfüllt keine Vollständigkeit der Darstellung über rechtsextreme Erscheinungen in der Gerstungener Bürgerwehr und seiner Sympathisanten im Ort. Neben Facebook bilden weitere Netzwerke, Foren und diverse Kontakte Plattformen ihres Wirkens.

Viele besonders Gewalt fördernde Posts der Facebook-Gruppe der Bürgerwehr Gerstungen wurden durch diese Gruppe auch nach und nach gelöscht. Anlass bildeten gegebenenfalls Untersuchungen von Thüringer Behörden, als auch die zunehmende Beobachtung dieser Bürgerwehr nicht nur durch bundesweite Medien. Viele ihrer Posts und die in der Chronik genannten menschenfeindlichen Auswüchse konnten aber dokumentiert werden.

(*) Quelle: geschlossene Facebook-Gruppe „Bürgerwehr Untersuhl, Gerstungen und Umgebung“ (gesicherte Inhalte bzw. Screenshots liegen vor).


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