Mitmenschlich in Thüringen

GASTBEITRAG

Am ver­gan­genen Mon­tag demon­stri­erten unge­fähr 6.000 Men­schen für einen offe­nen und tol­er­an­ten Umgang mit Flüchtlin­gen. 

Sie stell­ten sich der Unmen­schlichkeit ent­ge­gen.

Das Bünd­nis » Mit­men­schlich in Thürin­gen hat­te zu dieser Aktion im Land der Dichter und Denker aufgerufen. Die Demon­stra­tion fand statt in Erfurt unter dem Flut­licht des Doms.

Men­schen aller Bere­iche der Gesellschaft, ver­schieden­ster Glauben­srich­tun­gen, Parteien, Sozialver­bände, Arbeit­ge­bervertreter, Gew­erkschaften waren gefol­gt. BUNT war die gemein­same Farbe.

Sie Alle waren sich einig gegen Flucht verur­sachende Krisen, Kriege und Katas­tro­phen, gegen men­schen­feindliche Parolen, gegen parteipoli­tis­che Instru­men­tal­isierung der Lage, für Hil­fen an Schutz­suchende, für Weltof­fen­heit und Men­schlichkeit, für die Ein­hal­tung der Men­schen­rechte gegenüber Asyl­suchen­den, für mehr ziv­il-gesellschaftlich­es Engage­ment im Sinne des Grundge­set­zes, für ein Ern­st­nehmen der Äng­ste der Bürg­er im Lande, für wirk­same Auf­nahme, Migra­tion, Inte­gra­tion von Flüchtlin­gen, für eine bessere Unter­stützung von Kom­munen, für eine öffentliche Mei­n­ungs­bil­dung durch bessere Trans­parenz und Offen­heit.

Sie sprachen sich aus auch für ein Wahrnehmen, der mit der Zuwan­derung ver­bun­de­nen neuen Chan­cen für die Gesellschaft.

Sie Alle sind Anwälte für Mit­men­schlichkeit und treten Brand­s­tiftern ent­ge­gen. Sie alle ver­trauen men­schlichen, ethisch-moralis­chen Werten und posi­tion­ieren sich auch dazu.

Es ist großar­tig so und wichtig für das Land - diese Aktion und der Aufruf für Mit­men­schlichkeit. Trotz­dem — und nicht vergessen — einige nach­fol­gende Gedanken.

Die Pflicht zum Zer­schla­gen von Unmen­schlichkeit zum Zer­schla­gen von allen rechts-ter­ror­is­tis­chen Erschei­n­un­gen und ihrer Vertreter in “NP-AfD & Co.”, son­stiger recht­sex­tremer, recht­sradikal agieren­der Organ­i­sa­tio­nen, von ALLEN vul­gären Nation­al­is­ten sowie braunen Chaoten und Neu-Nazis — diese Pflicht fordert uns Alle zwin­gend.

Es geht nicht nur darum, dass eine Demokratie auch Recht­sex­trem­is­mus auszuhal­ten sollte. Wenn Recht­sex­trem­is­mus Ele­mente des Ter­ror­is­mus zeigt, wird ihn die Demokratie eben nicht aushal­ten. Wenn dieser klare ter­ror­is­tis­che Ten­den­zen erzeugt — wie in der Gegen­wart, dann gehört er und seine Werkzeuge (Pro­tag­o­nis­ten, Neu-Rechte Parteien, “Wehrwölfe”, Schutzstaffeln, Bürg­er­wehren, son­stige Organe) uner­bit­tlich und ein für alle Mal zer­schla­gen.

Nur eine gemein­sames Vorge­hen und ein Wehret-den-Anfän­gen kann das bewirken — liebe Poli­tik­er im Bun­destag, den Län­dern und ihr Bürg­er­meis­ter. Wir reden über eine his­torische Verpflich­tung und eine (von mehreren) Bedin­gun­gen für ein friedlich­es Mor­gen.

Her­bert Wehn­er (* 11.07.1906, † 19.01.1990; ehe­ma­liger Bun­desmin­is­ter für gesamt­deutsche Fra­gen) begrün­dete, dass eine Demokratie NICHT zwin­gend in der Lage ist, Erschei­n­un­gen von Recht­sex­trem­is­mus auszuhal­ten. Er stellte bere­its 1967 fest:

Das Ver­bot ist ein legit­imes Mit­tel gegenüber der NPD und anderen Erschei­n­un­gen, die an die NSDAP anknüpfen. Hier geht es nicht darum, mit juris­tis­ch­er Akri­bie Beweise zu erbrin­gen, son­dern darum, die Wieder­hol­ung des schreck­lichen Unglücks zu ver­hin­dern, das die NSDAP bedeutet hat. Wer argu­men­tiert, dass diese Leute ja schon in Land­ta­gen sitzen und deshalb akzep­tiert wer­den müssen, der hat — ob bewusst oder unbe­wusst — im Grunde schon kapit­uliert.”

Denken wir nach über so ein Ver­bot von allen recht­sradikalen Erschei­n­un­gen und sein­er sich immer neu bilden­den Ten­takeln. Denken wir nach über die Fol­gen eines glo­ri­fizierten Ultra-Nation­al­is­mus, eines völkischen Nation­al­is­mus, der falsche, ver­häng­nisvolle kollek­tive Iden­titäten und neue Kriege her­auf­beschwört. Denken wir nach über neu-rechte Bewe­gun­gen, die eben eine men­schliche Gesellschaft nicht ohne Weit­ers verkraften kann. Diese Bewe­gun­gen unter­graben die Grund­festen des gesellschaftlichen Friedens.

NICHT NOCHMAL DEN GLEICHEN FEHLER. Peter Philipp Gin­gold (08.03.1916 — 29.10.2006 in Frankfurt/Main) — ein Wider­stand­skämpfer gegen den Nation­al­sozial­is­mus mah­nte schon vor Jahren:

1933 wäre ver­hin­dert wor­den, wenn alle Geg­n­er der Nazis ihren Stre­it untere­inan­der zurück­gestellt und gemein­sam gehan­delt hät­ten. Dass dieses gemein­same Han­deln nicht zus­tande kam, dafür gab es für die Hit­lergeg­n­er in der Gen­er­a­tion mein­er Eltern nur eine einzige Entschuldigung: Sie hat­ten keine Erfahrung, was Faschis­mus bedeutet, wenn er ein­mal an der Macht ist. Aber heute haben wir alle diese Erfahrung, heute muss jed­er wis­sen, was Faschis­mus bedeutet. Für alle zukün­fti­gen Gen­er­a­tio­nen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschis­mus nicht ver­hin­dern!“

Nur nicht vergessen – tretet auch den URSACHEN der aktuellen Kap­i­tal­is­muskrise, der fehlen­den Sou­veränität und Unzufrieden­heit unter den Wäh­lern, von Flüchtlingsströ­men, Kriegen, Waf­fen­ex­porten, Sozial­ab­bau, Macht­mißbrauch, Massenüberwachung, TTIP, Hege­moniestreben, Ghet­toisierung, Radikalisierung, Aus­gren­zung, Ras­sis­mus, etc. MEHR DENN JE ENTGEGEN. Wer Let­zteres ver­säumt, braucht Human­ität nicht erwarten.

Schaut in das Land, in die Kom­munen. Wer trägt Mitver­ant­wor­tung für das Erstarken rechts-geleit­eter Bürg­er­wehren, völkisch-nationaler Posi­tio­nen und Bewe­gun­gen sowie anhän­gen­der Gewalt? Wer prof­i­tiert davon?

Die Leute, die neue Nazis auf die gle­iche Stufe stellen wie die Linken oder aufrecht­en Demokrat­en der gesellschaftlichen Mitte und so meinen, sich nicht posi­tion­ieren zu müssen – sie zeigen einen völ­lig verkehrten und ver­schleiern­den Denkansatz. Ent­lar­ven sie so ihre eigene Zuge­hörigkeit?

 

Hin­weis: Artikel zeit­gle­ich veröf­fentlicht » hier

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